Interviews mit Augenärzten
Dr. med. Martina Rihl • Waging am See
Warum ein »Silberblick« nicht schick ist, sondern dringend behandelt gehört
Schielen ist nie harmlos oder nur niedlich, es »wächst sich auch nicht aus«, sondern bewirkt meistens eine einseitige Sehschwäche und schwere Störungen des beidäugigen Sehens, wenn die notwendige Behandlung verzögert wird.
Was ist Schielen eigentlich?
Schielen (Strabismus) nennt man die beständige oder immer wieder auftretende Fehlstellung eines Auges oder beider Augen. In Deutschland schielen vier Millionen Menschen. Sie leiden nicht nur unter der sichtbaren, oft auch entstellenden Abweichung, mehr noch belasten die damit verbundenen Sehstörungen.
Ohne Behandlung entwickeln rund 90% aller »Schielkinder« eine einseitige Sehschwäche (Amblyopie). Wird diese nicht rechtzeitig entdeckt und behandelt, bleibt sie lebenslang bestehen und führt zu erhöhter Unfallgefahr sowie zu Einschränkungen bei der Berufswahl.
Wie können Eltern sicher erkennen, dass ihr Kind schielt?
In den ersten Lebenswochen kann ein Kind die Bewegung seiner beiden Augen noch nicht richtig koordinieren. Gelegentliches Schielen ist in diesem Alter kein Grund zur Beunruhigung.
Wenn jedoch ein Auge immer wieder von der Richtung des anderen abweicht, ist keine Zeit zu verlieren, weil das schielende Auge dann zunehmend vom Gehirn abgekoppelt wird und durch Nichtgebrauch eine Sehschwäche entwickelt.
Kinder, die auffällig schielen, haben die besten Chancen, rechtzeitig behandelt zu werden, weil ihre Eltern aufgrund des deutlichen »Schönheitsfehlers« mit ihnen zum Augenarzt gehen. Leider sind jedoch die kaum oder gar nicht sichtbaren Abweichungen (Microstrabismus) in der Überzahl. Sie fallen oft erst bei den Vorsorgeuntersuchungen U8 oder U9 oder beim Einschulungssehtest auf. Dann ist es jedoch für eine erfolgreiche Behandlung meist zu spät. Es ist daher allen Eltern dringend zu empfehlen, ihr Kind – auch wenn es unauffällig erscheint – im Alter von 30–42 Monaten augenärztlich-orthoptisch untersuchen zu lassen.
Wie diagnostiziert und behandelt der Augenarzt Schielen?
Diagnose: Schielen und Fehlsichtigkeit kann mit verschiedenen schmerzfreien Untersuchungen auch schon bei Säuglingen festgestellt werden. Es werden Tests durchgeführt, um die Stellung, Beweglichkeit und Zusammenarbeit beider Augen zu untersuchen. Außerdem überprüft der Augenarzt die organische Beschaffenheit der Augen, um z.B. grünen Star oder Netzhauterkrankungen herauszufinden. Bei grösseren Kindern wird auch ein Sehtest durchgeführt.
Therapie: Bei Schielkindern wird meistens zuerst eine Brille verordnet, um Brechungsfehler zu korrigieren. Bei Vorliegen einer Sehschwäche wird das bessere Auge abgedeckt, um das schwächere durch Training zu fördern (Occlusionstherapie).
Bei einigen Kindern ist der Schielwinkel so groß, dass keine beidäugige Zusammenarbeit aufkommen kann. In solchen Fällen ist zusätzlich eine Operation an den äusseren Augenmuskeln nötig. Schieloperationen sind ausgesprochen risikoarm und haben gute Erfolgsaussichten.
Dr. med. Martina Rihl
Postgasse 1
83329 Waging am See
Dr. Martina Rihl, Waging
