Interviews mit Augenärzten

Dr. Franz Reiter • Bad Reichenhall

Grauer Star – die weltweit häufigste Operation am Auge

Die Operation des Grauen Stars ist die häufigste unserer Operationen und der Augenoperationen weltweit….

Sehr geehrter Herr Dr. Reiter, die meisten Ihrer Patienten wissen, dass Sie neben Behandlungen in Ihrer Praxis auch Operationen im Krankenhaus Bad Reichenhall durchführen. Welche Eingriffe nehmen Sie dabei am häufigsten vor?
Die häufigste unserer Operationen – übrigens aller Augenoperationen weltweit – ist die des Grauen Stars. Sie ist auch die erfolgreichste Operation. Denn es gelingt ein Ergebnis zu erzielen, das die Natur übertrifft. Das erzeugt beim Patienten wie auch beim Operateur eine hohe Zufriedenheit. Die meisten Patienten sehen nach der Operation besser, als sie jemals gesehen haben, denn Sehfehler können durch das Einsetzen einer Kunstlinse an Stelle der getrübten, natürlichen Augenlinse ausgeglichen werden.
Aus vorhergehenden Ausgaben unserer Augenblicke wissen wir, dass viele Menschen an Maculadegeneration leiden. Können Sie vor der Operation des Grauen Stars beurteilen, ob sich danach die Sehschärfe verbessern wird?
Je weiter die Linsentrübung fortgeschritten ist, umso unsicherer ist eine Prognose. Hier ist die Anamnese besonders wichtig: Wenn der Patient angibt, vorher schon verzerrt gesehen zu haben, ist eine Maculadegeneration wahrscheinlich. Dennoch ist es auch dann sinnvoll, eine fortgeschrittene Linsentrübung zu operieren. Da durch die Operation nicht nur zentral, sondern auch in den Randbereichen jede Trübung beseitigt wird, kann es sein, dass sich zwar die Sehschärfe und Lesefähigkeit nicht steigern, aber die Orientierung deutlich erleichtert wird, weil sich das Gesichtsfeld verbessert.
Welche ist Ihre zweithäufigste Operation am Auge?
Der »Grüne Star«. Dabei wird die Senkung des Augeninnendrucks angestrebt, wenn konservative Möglichkeiten (Tropfen, Tabletten, Lasertherapie) nicht mehr ausreichen. Bei der Glaucom-OP (Grüner Star) wird eine Fistel, eine Art Überdruckventil unter der Bindehaut unter dem Oberlid angelegt, um einem erhöhten Druck entgegen zu wirken. Das Kammerwasser
kann entweichen, so dass sich kein Überdruck mehr aufbaut. Erfahrungsgemäß ist für den Patienten der Erfolg schwierig zu verstehen, da er keine Sehverbesserung feststellt. Oft hört man deshalb, den Grünen Star könne man nicht operieren. Aber das stimmt eben nicht. Es wird lediglich keine Verbesserung der Sehleistung bewirkt. Das ist auch nicht Ziel dieses Eingriffs. Ziel ist es, eine Verschlechterung aufzuhalten.
Wann wird ein erhöhter Augen-druck operiert?
Wenn trotz konservativer Therapie
der Augeninnendruck nicht ausrei-chend gesenkt werden kann und eine Verschlechterung des Gesichtsfelds zu beobachten ist. Man operiert dann, um einer weiteren Verkleinerung des Gesichtsfelds vorzubeugen.
Was wird außerdem noch häufig operiert?
Eine weitere Operation ist die Entfernung des sogenannten Flügelfells, eine gutartige Wucherung der Bindehaut, die auf der Hornhaut Richtung Pupille wächst. Ist das Flügelfell soweit fortgeschritten, dass es in den Pupillenbereich reicht, muss es entfernt werden, da das Sehen sonst zu sehr beeinträchtigt wird. Außerdem entfernen wir Glaskörper und operieren Glaskörpereinblutungen – zum Beispiel bei Diabetikern oder Thrombosen – und immer wieder Lidveränderungen, Lidtumore sowie Lidfehlstellungen.
Führen Sie auch kosmetische Operationen durch?
Ja, durchaus, wenn die Operation auch medizinisch sinnvoll und indiziert erscheint.
Sie führen aber sicher auch kleinere Eingriffe durch?
Fast täglich entfernen wir Fremdkörper, sondieren und spülen Tränenwege. Das führen wir in unserer Praxis durch. Auch der Einsatz des Lasers, zum Beispiel zur Behandlung des Nachstars, von Netzhautblutungen oder zur Behandlung des Grünen Stars (bevor man zum Skalpell greifen muss) wird in unserer Praxis und nicht im Krankenhaus durchgeführt.
Welche Operationen werden ambulant durchgeführt und welche erfordern einen stationären Aufenthalt?
Alle OPs sind grundsätzlich ambulant, außer in speziellen Fällen, z.B. wenn es sich um das einzige Auge des Patienten handelt oder wenn postoperativ Schwierigkeiten zu erwarten sind.
Wie sieht es mit der Schmerzfreiheit bei den Operationen aus?
Wir operieren immer mit örtlicher Betäubung und Überwachung durch einen Narkosearzt, der bei Bedarf ein beruhigendes oder schmerzlinderndes Medikament geben kann. Eine Narkose ist nur in wenigen Fällen erforderlich. Nach der Operation werden alle Patienten beob-achtet, bis eine risikofreie Entlassung nach Hause möglich ist.

Dr. med. Franz A.Reiter
Dr. med. C. Vogt-Reiter
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83435 Bad Reichenhall
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