Interviews mit Augenärzten

Dr. Dieter Dworzak • Freilassing

Blitzen, Flimmern, schwarze Punkte: Was hat das alles zu bedeuten?

Immer wieder kommt es vor, dass man mit plötzlich auftretenden, unerklärlichen optischen Phänomenen konfrontiert wird. Es blitzt im Auge, schwarze Punkte wandern durchs Bild oder flimmernde Lichtspiralen sind zu sehen.
Das ist beunruhigend, denn man weiß nicht ob es harmlos oder gefährlich ist. Genügt es, ein paar Tage zu warten, oder sollte man einen Augenarzt aufsuchen?

Ich sehe ganz plötzlich Blitze, wie beim Gewitter oder beim Fotografieren. Was muss ich tun?
In jedem Fall sofort einen Augenarzt aufsuchen. Dahinter steckt zwar häufig nur eine relativ harmlose Glaskörper-abhebung, manchmal kündigt sich aber so ein gefährliches Netzhautloch mit nachfolgender Netzhautablösung an. Erblindung ist eine mögliche Folge.
Das Auge ist eine hohle Kugel, die mit klarem Gelee gefüllt ist – dem sogenannten Glaskörper. Durch Wasserverlust schrumpft der Glaskörper und hinterlässt einen Spalt zur angrenzenden lichtempfindlichen Schicht – der Netzhaut. Manchmal bleiben feine Verbindungen zwischen dem schrumpfenden Glaskörper und der Netzhaut zurück. Sie können an der Netzhaut ziehen und verursachen so das Blitzen. Meist reißen die feinen Stränge und das Blitzen hört auf. In seltenen Fällen kann der Zug aber so stark sein, dass ein Loch in die Netzhaut gerissen wird. Dann droht eine Netzhautablösung. Das Loch kann, wenn es rechtzeitig erkannt wird, mit dem Laser behandelt werden.

Seit einigen Tagen sehe ich ständig kleine, schwarze Punkte. Besonders wenn ich gegen eine weiße Fläche schaue. Was ist das?
Diese schwarzen Punkte oder »fliegenden Mücken« (mouches volanten) genannt, sind harmlose Eintrübungen des sonst klaren Glaskörpers. Sie können in jedem Lebensalter auftreten. Das einfallende Licht bestrahlt als erstes die Trübungen, die einen Schatten auf die Netzhaut werfen. Wenn Sie Ihren Finger in den Lichtstrahl eines Diaprojektors halten entsteht der gleiche Effekt: Ihr Finger wird groß und schwarz auf der Leinwand abgebildet. Ebenso erscheinen die Eintrübungen größer und schwärzer als sie sind. Unser Körper baut diese Eintrübungen übrigens wieder ab. Das kann, je nach Größe, allerdings Monate dauern.

Seit ich 40 bin, brauche ich eine Lesebrille und die muss alle paar Jahre stärker werden. Hab ich meine Augen mit der Brille verwöhnt?
Nein! Unsere Augenlinse ist ein sehr elastisches Eiweiß-Wasser-Gebilde, das im Auge von einem Ringmuskel auf die unterschiedlichen Sehentfernungen eingestellt werden kann. Je näher ein Gegenstand dem Auge ist, desto stärker muss die Linse verkrümmt werden, damit ein scharfes Abbild auf der Netzhaut entsteht.
Je älter wir nun werden, desto unelastischer wird die Linse. Der Muskel kann die Linse nicht mehr ausreichend verformen: Die Gegenstände müssen weiter vom Auge entfernt sein damit wir sie scharf sehen können. Wenn die Länge unserer Arme beim Lesen nicht mehr ausreicht, brauchen wir die erste Lesebrille. Der Prozess der abnehmenden Elastizität läuft ca. vom 40. bis zum 60. Lebensjahr ab. Dann kommt er zum Stillstand. Das erklärt, warum wir in diesem Lebensabschnitt öfter eine neue Lesebrille brauchen.

Seit geraumer Zeit bemerke ich ein Flimmern und manchmal sehe ich Zacken oder Lichtspiralen. Was hat das zu bedeuten?
Diese Phänomene sind meist auf Durchblutungsstörungen der Netzhaut zurückzuführen. Die lichtempfindlichen Zellen bekommen zu wenig Sauerstoff und funktionieren nicht richtig. Ursache können ein zu niedriger Blutdruck, eine Migräne, oder – was wirklich schlimm ist – ein krisenhaft hoch ansteigender Blutdruck sowie Herz-Kreislaufprobleme sein. Der Augenarzt kann durch Begutachtung des Gefäßzustandes im Augeninneren feststellen, was die Ursache ist. Oft kann so in Zusammenarbeit mit dem Hausarzt, Internisten oder Neurologen einem Herzinfarkt, Gehirnschlag oder anderen schweren Erkrankungen vorgebeugt werden.

Tagsüber sehe ich gut ohne Brille. Nachts, beim Autofahren oder wenn es regnet und spiegelt habe ich aber große Probleme. Bin ich nachtblind?
Nein! In den meisten Fällen läßt sich eine derartige Sehstörung auf eine leichte Kurzsichtigkeit oder Hornhautverkümmung zurückführen. Tagsüber, bei ausreichender Helligkeit, kann auch das leicht fehlsichtige Auge die Umwelt scharf abbilden. Leichte Unschärfen korrigiert einfach unser Gehirn. Sinkt aber in der Dämmerung oder auf Grund einer Wolkenfront mit Regen die Helligkeit unter einen kritischen Wert, kann das Auge die Objekte nicht mehr fixieren und ausreichend scharfstellen. Abhilfe schaffen dann Ihr Augenarzt oder Optiker.

Dr. Dieter Dworzak
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